Nachwuchsförderung durch frühzeitige Praxiserfahrung

Die „Kontaktbörse“ des Instituts für Anwaltsrecht Saarbrücken e.V. 

1. Ausgangslage

80 Prozent aller Juristen eines Jahrgangs drängen nach Abschluss ihrer Ausbildung in den Anwaltsberuf. Dies bedeutet einen enormen Konkurrenzdruck für die meisten Stellenbewerber. Aber auch Anwaltskanzleien und Unternehmen, die auf qualifizierten juristischen Nachwuchs angewiesen sind, fällt es immer schwerer, unter den Stellenbewerbern die am besten Geeigneten zu finden. Dies gilt insbesondere in strukturschwachen Regionen wie dem Saarland. Denn Juristen mit herausragenden Examen entscheiden sich heute immer mehr für eine Tätigkeit in den Wirtschaftszentren, nicht zuletzt wegen der erfahrungsgemäß höheren Verdienstmöglichkeiten und dem vermeintlich besseren Lebensstandard. Vor diesem Hintergrund haben sich Rechtsanwälte, Richter, Notare, Hochschullehrer (2) sowie die Rechtsanwaltskammer des Saarlandes und der Saarländische Anwaltverein im Verein „Institut für Anwaltsrecht Saarbrücken e.V.“ zusammengeschlossen. Sie alle haben sich zum Ziel gesetzt, die juristische Ausbildung stärker an den Bedürfnissen der anwaltlichen Praxis auszurichten und den angehenden Juristen durch die frühzeitige Anbahnung von Kontakten zu Anwaltskanzleien und Unternehmen den Berufseinstieg zu erleichtern, um so einen wichtigen Beitrag zur juristischen Nachwuchsförderung im Saarland zu leisten.

2. Die „Kontaktbörse“ des Instituts für Anwaltsrecht

In der Überzeugung, dass eine erfolgversprechende Anbindung qualifizierter juristischer Nachwuchskräfte an Kanzleien und Unternehmen vor allem im Saarland nur zu schaffen ist, wenn möglichst frühzeitig Kontakte zwischen Referendaren (2), Unternehmen und Anwälten aufgebaut werden, hat sich das Institut für Anwaltsrecht in diesem Jahr entschlossen, eine virtuelle „Kontaktbörse“ auf der Internetseite des Vereins (www.anwaltsinstitut.saarland) einzurichten. Im Rahmen dieser „Kontaktbörse“ haben die saarländischen Referendare für die Dauer des Referendariats die Möglichkeit, sich mit ihren Interessenschwerpunkten, ihren bisherigen Leistungen und einer kurzen Personenbeschreibung beim Institut für Anwaltsrecht zu registrieren, um so interessierten Anwälten und Unternehmen die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zu geben, sei es zur Ableistung von Praktika oder zur Anwaltsoder Wahlstage. Bereits jetzt gehören der „Kontaktbörse“ mehr als 70 Referendare an, die sich mit ihrem eigenen „Profil“ um die Ableistung von Praktika und Stagen bei Anwälten und Unternehmen vor allem im Saarland bewerben.

3. Inhalt und Funktionsweise der „Kontaktbörse“

Die „Kontaktbörse“ des Instituts für Anwaltsrecht basiert auf einer Datenbank, die hierfür eigens vom Institut für Anwaltsrecht in Zusammenarbeit mit der Europäischen EDV-Akademie des Rechts gGmbH (EEAR) entwickelt worden ist. Der Zugang ist passwortgeschützt und erfordert eine vorherige Registrierung durch die Nutzer, deren Berechtigung (Referendar, Vereinsmitglied) vor der Freischaltung überprüft wird. Auf der Datenbank sind bildgestützte „Profile“ von Referendaren hinterlegt, die neben den Daten zur Person und Erreichbarkeit auch Angaben zu juristischen und nichtjuristischen Leistungsnachweisen (z.B. Ergebnisse des Staatsexamens, Engagement im sozialen Bereich), juristischen Interessenschwerpunkten und zur zeitlichen Verfügbarkeit enthalten. Um in diesen „Profilen“ gezielt nach geeigneten Bewerbern suchen zu können, ist die Datenbank mit einer komfortablen Suchfunktion ausgestattet, die den registrierten Kanzleien und Unternehmen die Möglichkeit einer Suche nach Interessenschwerpunkten, Ausbildungsabschlüssen, aber auch Wohnorten und Namen der Referendare ermöglicht. Damit zeichnet sich die „Kontaktbörse“ als „digitaler Marktplatz“ für Referendare, Anwälte und Unternehmen gegenüber anderen, herkömmlichen analogen Methoden der Gewinnung von Nachwuchskräften durch folgende Vorteile aus:

• Frühzeitige Gewinnung potenzieller juristischer Nachwuchskräfte mit örtlicher Anbindung durch dezentrale, ortsbezogene Suche
• Aktive Auswahl statt passivem Abwarten auf den Eingang von Bewerbungen oder die „zufällige Gelegenheit“
• Kostenersparnis durch Vermeidung teurer Stellenanzeigen - Zeitersparnis durch schnelle, einfache, effiziente und zugleich bedürfnisorientierte Suche in einem bereits vorhandenen Bewerberpool (keine lästigen Auswahlverfahren!)
• Schneller Überblick über den regionalen Markt im Bereich des juristischen Nachwuchses
• Transparentes Angebot
• Anbieter ohne kommerzielles Interesse

4. Teilnahmebedingungen

Da es sich um ein Instrument zur Förderung der saarländischen Referendare handelt, ist für diese die Teilnahme an der „Kontaktbörse“ kostenlos. Anwälte und Unternehmen können auf die „Kontaktbörse“ zugreifen, wenn Sie als Fördermitglied 3 dem Institut für Anwaltsrecht beitreten. Die Beiträge für Fördermitglieder sind moderat und reichen – je nach Größe der Kanzlei bzw. des Unternehmens – von 100 € bis maximal 400 € im Jahr. Die Mitgliedschaft kann über ein entsprechendes Formular auf der Internetseite des Instituts beantragt werden. Die Fördermitglieder erhalten neben der Zugangsberechtigung zur „Kontaktbörse“ zudem die Möglichkeit, ihre Kanzlei bzw. ihr Unternehmen als Sponsor 4 auf einer eigenen Seite der Homepage des Vereins zu präsentieren (Werbeeffekt).

(1) Der SAV ist Gründungsmitglied des Instituts für Anwaltsrecht Saarbrücken e.V.
(2) Ausschließlich der besseren Lesbarkeit wegen wird in dem Beitrag die männliche Form verwandt.


Institut für Anwaltsrecht Saarbrücken e.V. | Universität des Saarlandes | Gebäude C3.1 | Im Stadtwald | 66123 Saarbrücken
anwaltsinstitut.saarland | kontakt@anwaltsinstitut.saarland

(Saarländisches Anwaltsblatt 2015-2, Seite 30)


Die Tätigkeit des Unternehmensjuristen: Kaminabend am 27.03.2017 in Mettlach

Kai-Timo PHILIPPI | Syndikusrechtsanwalt | Villeroy&Boch AG | Mettlach 

Unter der Überschrift „Kaminabend“ veranstalteten in einer gemeinsamen Aktion das Institut für Anwaltsrecht Saarbrücken, der Saarländische Anwaltverein und die Villeroy & Boch AG einen Informationsabend für Rechtsreferendare zum Thema „Die Tätigkeit des Unternehmensjuristen“.

Die Veranstaltung fand im Kaminzimmer des Gästehaus Schloss Saareck in Mettlach statt, in dem die teilnehmenden Rechtsreferendare von Herrn Rechtsanwalt Justizrat Berscheid und Herrn Rechtsanwalt Olaf Jaeger sowie dem Leiter der Rechtsabteilung der Villeroy & Boch AG, Herrn Rechtsanwalt Rainer Kuhn, als Gastgeber begrüßt wurden.

Herr Kuhn leitete nach seinen begrüßenden Worten umgehend auf die Tätigkeit des „Rechtsanwalts im Unternehmen“ über. Anhand der von ihm schon langjährig verantworteten Rechtsabteilung eines international agierenden Konzerns stellte er die auf eine Rechtsabteilung wartenden Aufgaben dar, die dadurch bedingten internen Aufgabenteilungen und Schnittstellen zu anderen Konzernabteilungen sowie die daraus resultierenden Herausforderungen. Dieses Bild wurde dann in den Gesamtkontext des Unternehmens eingebettet, um die einer Entscheidungsfindung zugrundeliegenden Prozesse und deren rechtliche Begleitung bis zur endgültigen Lösung darzustellen.

Nach der Beschreibung der inhaltlichen Tätigkeit des Unternehmens nahm Herr Jaeger als Präsident des Saarländischen Anwaltvereins den Ball auf und berichtete über das seit 1. Januar 2016 geltende neue Berufsrecht für den Rechtsanwalt im Unternehmen, den Syndikusrechtsanwalt. Der Gesetzgebungsprozess und die finalen berufsrechtlichen Vorgaben wurden dargestellt und der Zulassungsprozess bei der Rechtsanwaltskammer beschrieben. Herr Jaeger, der den gesamten Gesetzgebungsprozess intensiv begleitet und die saarländischen Unternehmensjuristen tatkräftig unterstützt hatte, gewährte hier zahlreiche interessante Einblicke in den Gesetzgebungsprozess und die praktische Handhabung des Gesetzes.

Gefolgt wurde die Darstellung der berufsrechtlichen Basis durch den Vortrag des Leiters der Marketing-Abteilung des Unternehmensbereichs Bad & Wellness der Villeroy & Boch AG, Herrn Olaf Haelke. Herr Haelke führte anhand von aktuell neu entwickelten Produkten durch die Zusammenarbeit mit der Rechtsabteilung in den verschiedenen Entwicklungsphasen eines Produkts. Dabei beleuchtete er neben der fachlichen Zusammenarbeit auch das Beherrschen des gezielten Informationsaustauschs und der gemeinsamen Lösungsentwicklung.

Abgeschlossen wurde der inhaltliche Teil des Kaminabends durch den Vortrag von Herrn Rechtsanwalt Kai-Timo Philippi, Syndikusrechtsanwalt der Villeroy & Boch AG, der anhand der aktuellen Rechtsentwicklung im Datenschutz und IT-Recht zwei neue „Spielwiesen“ für Rechtsanwälte vorstellte. Neben diesen neuen Themen wurden auch neue Werkzeuge für Rechtsanwälte in Form von Software vorgestellt und ein kleiner Ausblick auf die noch zu entwickelnde Schnittstelle „Rechtsanwalt/Software“ gewagt.

Nach dem Abschluss des inhaltlichen Teils folgte in geselliger Runde ein gemeinsames Abendessen mit anschließendem Umtrunk, der erst durch die herannahende Sperrstunde des Veranstaltungsortes beendet wurde. Der dabei erfolgte Austausch dokumentierte das große Interesse der teilnehmenden Referendare und bietet Anlass, das Konzept im Rahmen eines zweiten Kaminabends zu wiederholen.

(Saarländisches Anwaltsblatt 2017-2, Seite 21)

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